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„Sundays for God“

Erstellt von Pfarrer Achim Dittrich | |   Top 1

Verabschiedungstext von Pfarrer Achim Dittrich

Liebe Pfarrangehörige,

nun ist es soweit! Wie im September angekündigt, verlasse ich zum März 2020 die Pfarrei Mariä Himmelfahrt und gehe für vier Jahre in die Diözese Regensburg, wo ich an der Aktualisierung des sechsbändigen Marienlexikons sowie in der Pfarrseelsorge in Weiden mitarbeiten werde. Neben meinem Interesse an wissenschaftlicher Arbeit im Bereich der Theologie gibt es weitere Gründe, die mich von der Tätigkeit als Leitender Pfarrer haben Abstand nehmen lassen. Ich habe sie im Oktober-Pfarrbrief sowie im Jahresrückblick (Januar-Pfarrbrief) erläutert: Das Überhandnehmen der Verwaltung sowie diözesane Richtlinien, die ich nicht vertreten kann.
Es hat mir in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt grundsätzlich gut gefallen, trotz ihrer unvorteilhaften Größe – ich durfte ihre „Geburt“ 2016 miterleben. Wir haben seit 2015 vieles geleistet, in den Gemeinden, in den Gremien, im Pfarramt, im Pastoralteam, in der Ökumene, welche in Otterberg eine besondere Rolle spielt. Im Mai 2015 haben wir das neue Pfarrbüro eingeweiht, im November 2015 die ersten Gremien der neuen Pfarrei gewählt; Gemeindeausschüsse, Pfarrei- und Verwaltungsrat haben bis heute, auch nach ihrer Neuwahl im November 2019, viel ehrenamtliches Engagement aufgebracht, das sich auch im „Pastoralen Konzept“ niederschlägt, wie wir es kürzlich erst beim Neujahrsempfang in Otterbach vorstellen konnten. Wir haben ein Pfarr-Logo gefunden, die Homepage modernisiert und den Pfarrbrief professionell aufbereitet als ansehnliche Monatsschrift. Wir haben einen Pfarrbus angeschafft, der gerade für die Kinder- und Seniorenarbeit wichtig geworden ist. Und anderes mehr.
An Bauprojekten wurde in Mehlbach und Olsbrücken die Außenfläche neu gepflastert; in Otterbach manches an der Kirche repariert, ein Grundstück für ein neues Pfarrheim erworben; in Rodenbach und Erfenbach wurden Fenster erneuert; in Otterberg wurde der Pfarrhof erneuert, der Garten als „Klostergarten“ gestaltet, das Armarium ausgebaut; in wenigen Monaten wird der Kapitelsaal einen neuen Fußboden samt Beleuchtung aufweisen. Otterbach hat zu seinem 130. Kirchweihjubiläum einen neuen gedruckten Kirchenführer erhalten, Otterberg eine kleine Pfarrchronik. Die Kita Schallodenbach hat ein neues Außengelände bekommen, in Weilerbach ist der Verkauf von altem Pfarrheim und -haus zugunsten eines neuen Pfarrheims vorbereitet. In Schwedelbach konnten wir die Johannes-Kirche als Radwege-Kirche öffnen.
Wir haben Ausflüge und Fahrten miteinander unternommen (Mettlach, Disibodenberg, Rom, Maria Laach, Odilienberg, Israel), haben gemeinsam das jährliche Pfarrpatrozinium in Otterbach gefeiert sowie die Osternacht; die Fronleichnamsfeste in Weilerbach und Otterbach mit Reunion, viele Eucharistiefeiern, den jährlichen Hungermarsch, ökumenische Gottesdienste, besonders am Landschaftsweiher und in der Abteikirche. Führungen und Vorträge nicht nur zur Abteikirche konnten in den vergangenen Jahren stattfinden sowie ganze fünf Himmlische Weinproben.
Im Pfarramt und Pastoralteam gab es seit 2015 einige Abgänge (E. Haardt, C. Schappert, G. Wünstel; J. Laußmann, R. Lang, V. Amadi, M. Gabriel) und Neuzugänge (M. Burgdörfer, H. Trautmann, C. Kobel; P. Benz, H. Fleck, T. Kakkariyil, C. Gegenheimer) – es bleibt ein ordentliches Pfarr-Team mit drei Sekretärinnen, drei Priestern und zwei Laientheologinnen bestehen. Ich bin zuversichtlich, dass sich ein geeigneter Nachfolger für mich findet, der besser mit den amtlichen Anforderungen zurechtkommt. Zu hoffen ist auch, dass die Diözese bald den Pfarreien zusätzlich zur wertvollen Unterstützung der Regionalverwaltungen (B. Bertram) einen Geschäftsführer zugesteht, der den Pfarrern ökonomisch Verantwortung abnehmen kann. Auch die Verwaltung der Kindergärten sollte in professionelle Hände gelegt werden (Trägergesellschaft), um die Verwaltungsräte zu entlasten.

Es waren fünf intensive Jahre! Ich danke allen, die mit mir zusammengearbeitet haben – ich bin dankbar für das gemeinsam Geleistete. Ich bedaure, wenn ich manchem fremd geblieben bin bzw. nicht seine Erwartungen erfüllen konnte. Teils mag das an meinen persönlichen Grenzen liegen, teils aber auch an meiner Haltung, als katholischer Priester gemäß der kirchlichen Lehre wirken zu wollen. Das Defizit, nicht als Seelsorger mit viel persönlicher Präsenz wirken zu können, ist zu einem größeren Teil dem überspannten Format der neuen Pfarrei geschuldet. Dieses entspricht zwar den modernen Gesellschaftsstrukturen gemäß den Kriterien Mobilität, Zentralisierung und Service, aber es mindert die Qualität der Seelsorge durch Ferne und Anonymität. Wobei auch die mangelnde Motivation vieler Gläubiger zu erwähnen ist, am kirchlichen Leben teilzunehmen. Nicht allein der Pfarrer bzw. die Hauptamtlichen verantworten das Gemeindeleben! Der schwache Gottesdienstbesuch, wie er sich in der ganzen Region mittlerweile zeigt, macht traurig und ratlos. Ich glaube nicht, dass man auf Dauer ohne die Kirche ein christliches Leben gestalten kann.
Als Priester will man Gott vergegenwärtigen, das Heilige und Heilende der Sakramente, den Heiland und Menschenfreund Jesus Christus – viele aber scheinen Gott nicht zu brauchen oder suchen ihn alleine, verirren sich in nichtchristliche Formen. Die vorzeigbare Organisation unserer Pfarrei kann übersehen lassen, dass die gesamte Kirche substanziell in der Region darniederliegt, auch bei unseren protestantischen Mitchristen. Ich bedaure, dass ich nur vereinzelt missionarische Impulse setzen konnte.
Wenn wir in der Pfarrei, in der Diözese, in Deutschland nicht bald einen geistlichen Neuanfang finden, der von Gott ausgeht und Gott zum Ziel hat, also wahrhaft christlich ist, dann wird es die Pfarrei in wenigen Jahrzehnten nicht mehr geben; der Gottesdienst wird aufhören, das gemeinsame Gebet und Lob verstummen. Möge man für den Umweltschutz an „Fridays for future“ auf die Straße gehen, für unseren Glauben und für die Heilung der Menschheit sollten wir alle uns im Gottesdienst versammeln an den „Sundays for God!“
Ich muss mich in der nächsten Zeit neu besinnen, wie ich der Neuevangelisierung am besten dienen kann. Den Gläubigen der Pfarrei Mariä Himmelfahrt samt ihrem hauptamtlichen Team im Pfarramt und dem neuen Pfarrer wünsche ich Gottes reichen Segen und einen Sturmwind des Heiligen Geistes, damit der katholische Glaube sich hier erneuern kann!

Ihr Pfarrer Achim Dittrich

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