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Partnerschaftsbesuch mit Hindernissen

War es behördlicher Schlendrian des zuständigen Amtes in Brüssel, der in Afrika und Deutschland gleichermaßen für helle Aufregung sorgte und verhinderte, dass die für die Visa notwendigen Reisedokumente trotz frühzeitiger Einreichung nicht fristgerecht in der Belgischen Botschaft in Kigali eingetroffen waren? Vier Tage lang zitterte und hoffte die in Kigali auf gepackten Koffern ausharrende sechsköpfige Gruppe. Auf deutscher Seite setzte der Erfenbacher Partnerschaftskreis Ruanda „Himmel und Hölle“ in Bewegung, den auf beiden Seiten heißersehnten Besuch der ruandischen Freunde aus Nkanka und von der Insel Nkombo doch noch zu ermöglichen. Zudem stellte die Verzögerung die Erfenbacher Gastgeber vor logistische Herausforderungen, wollten sie doch am kompletten originären elftägigen Aufenthalt der afrikanischen Freunde festhalten. Kurzfristig mussten Barbara Schneider, Vorsitzende des Partnerschaftskreises, und ihr Team das Programm neu planen und organisieren. 

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Endlich am Samstag, dem 27. Mai, betraten Théogène Ngoboka, Pfarrer in Nkanka; Placide Manirakiza, Pfarrer auf der Insel Nkombo; Jean Damascène Ntawangundi, Leiter der Grundschule auf Nkombo, mit dem Lehrer Jean Baptiste Fikiri; Alexianne Niyoyita, Krankenschwester des Gesundheitszentrums Nkombo, und Félicité Musabyemaryia, Geschäftsführerin der Kolpingfamilie Nkanka, erschöpft, aber auch erleichtert erstmals deutschen Boden. 

Ein dichtgedrängtes Programm erwartete die Freunde aus Ruanda. Schon der erste Abend war ein kleines Highlight: Flammkuchenessen auf einem idyllischen Wiesengrundstück inmitten einer Bilderbuchlandschaft in Schneckenhausen samt Traktorfahrten und eindrucksvollem Sonnenuntergang. Was folgte, waren bewegende Gottesdienste in Otterbach und Erfenbach. Hier wirkten nicht nur die beiden ruandischen Pfarrer als Konzelebranten mit, die stimm- und rhythmussichere Gruppe begeisterte die Kirchenbesucher mit ihrem mitreißenden Gesang. 

Beim Begrüßungsabend der Gemeinde am Sonntag mit vielen Bildern aus zurückliegenden Begegnungen schienen die Gastgeschenke der Ruander nicht alle zu werden. Wo die selbstgefertigten Ketten, Ohrschmuck, Schürzen, Bilder, Kaffee, Tee, Bananen und vor allem das Mützig-Bier im Gepäck Platz gefunden hatten, bleibt bis dato rätselhaft. Auf Spaziergängen lernten sie den Partnerschaftsort Erfenbach kennen, darunter auch den Friedhof. Die Einladung von Ortsvorsteher Reiner Kiefhaber im „schönsten Rathaus aller Ortsbezirke“ quittierten die Gäste mit großer Aufmerksamkeit und überreichten eine Bildarbeit aus Ruanda, die auch gleich ihren Platz im Arbeitszimmer des Gemeindechefs fand.

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Ein großes Ereignis stellte die Enthüllung eines Baumstammes mit dem Hinweisschild auf das 6.105 Kilometer entfernte Kigali dar. Dieser befindet sich auf dem anlässlich des Besuches auf Vordermann gebrachten auf dem Maienberg angelegten „Drei-Berge-Blick“ mit Aussicht und Hinweisen auf den Donnersberg, Königsberg und Potzberg sowie Entfernungsangaben nach Paris, Lissabon und Berlin nun in guter Gesellschaft. Die Aufstellung des Kigali-Stammes wurde von Birgit Kopnarski und Barbara Schneider angeregt und von Revierförster Klaus Platz, dem Forstamt Kaiserslautern und mit Unterstützung durch die Neue Arbeit Westpfalz realisiert.

Die Enthüllung des Stammes nahmen die Drittklässler der Grundschule Erzhütten vor. Diese pflegt unter der Federführung von Birigt Kopnarski seit acht Jahren eine rege Partnerschaft mit der Elementarschule auf der Insel Nkombo. Am frühen Abend überraschte die Lehreinrichtung die Delegation aus Ruanda mit einem kleinen Theaterstück und einem typisch pfälzischen Abendessen: Kartoffelsuppe mit Dampfnudeln.
Eine Menge Spaß hatten die afrikanischen Gäste anschließend auf dem Kaiserslauterer Maimarkt mit Riesenradfahrt, Feuerwerk, Kettenkarussell und einem wilden Ritt auf dem Shake-Fahrgeschäft. 

Auf dem 562 Meter hohen Potzberg erlebten Gäste und Gastgeber eine aufregende Freiflugvogelschau mit Seeadlern, Falken und Milanen. Auf der Draisine zwischen Altenglan und Lauterecken offenbarte ein in die Pedale tretender Jean Baptist: „I am very happy!“ Eine Stippvisite beim Kindermissionswerk in Aachen hatte mehr „dienstlichen“ Charakter, während der Besuch des Domes und eine Verkostung von Aachner Printen dem Vergnügen geschuldet waren. Auf der Rückfahrt führte ein Abstecher zur Klosteranlage Maria Laach. An Pfingstsonntag stand das Volksparkkonzert in Kaiserslautern mit dem Kolping-Blasorchester Erfenbach auf dem Programm. 

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Dass die Partner aus Ruanda dann an Pfingstmontag die Feier anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Neugründung des Bistums Speyer noch miterleben konnten, war ein Glücksfall, ermöglicht erst durch die verspätete Einreise: die Priester Théogène und Placide gemeinsam mit Pfarrer Marco Gabriel ganz nah beim Bischof während des feierlichen Pontifikalamtes, Kolpingschwester Félicité unter den Bannerträgern mit der Fahne der Kolpingfamilie Erfenbach und die anderen direkt hinter Ministerpräsidentin Malu Dreyer; anschließend Wein aus dem Domnapf, Begegnung mit Ordensschwestern im Haus und Garten der Weltkirche und dem Infomobil der Kolping Roadshow zum Thema Integration von Geflüchteten.
Die elf gemeinsam verbachten Tage waren erfüllt von nachhaltigen Eindrücken und Erlebnissen, die der Partnerschaft neuen Auftrieb geben. Was zu den bewegenden Momenten der Begegnung zählte, war die verbindende Freude über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg: die gemeinsam verbrachte Zeit am Speisetisch - Alexianne und Félicité bereiteten ein ruandisches Essen mit Maniok und Sambasa zu -, Tanzen, Spielen und Lachen (den ruandischen Freunden wird ganz sicher die „Reise nach Jerusalem“ in Erinnerung bleiben) wie auch die bewegende Gruppen-Eucharistiefeier in der Otterberger Abteikirche. Und was erstaunte die Sechs aus Ruanda besonders? Die wenigen Menschen auf den Straßen und die deutsche Pünktlichkeit. 
Murabeho. Auf Wiedersehen. Für eine fünfköpfige deutsche Delegation wird dies bereits im Oktober wahr.