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Die Glocken der katholischen Kirche in Weilerbach

Erstellt von Otto Schäfer, Weilerbach | |   Weilerbach

Die katholische Kirchengemeinde Weilerbach könnte im kommenden Jahr 2022 das einhundertjährige Jubiläum ihrer Glocken feierlich begehen.

Glocken sind fester Bestandteil christlicher Tradition und ein altes Kulturgut der Menschheit.Wer kennt nicht Schillers "Lied von der Glocke", das 1799 veröffentlicht wurde. Bereits im 8. Jahrhundert n. Chr. wird erstmals vom Glockengebrauch in der Liturgie berichtet. Karl der Große erließ eingehende Weisungen zur Verwendung von Kirchenglocken. In Mitteleuropa waren es vor allem Mönche, die sich mit dem Guß von Glocken befassten. Wurden Glocken zunächst am vorgeschlagenen Verwendungsort gegossen, entstanden erst später eigentliche Glockengießereien. Häufig machen sich Mitglieder von Kirchengemeinden auf, um beim Guss ihrer Glocke dabei zu sein. Seit Jahrhunderten hat sich am Verfahren der Glockenherstellung nichts geändert. Sogar der Beginn des Gussverfahrens geht auf eine alte Tradition zurück: Kirchenglocken wurden immer in der Sterbestunde Christi gegossen.

Glocken waren früher mehr als heute Zeichengeber zu unterschiedlichen Anlässen. Es gab neben den Kirchenglocken die Dorfglocke, die Schulglocke oder die Polizeiglocke. Sie gaben z. B. den Bauern auf den Feldern Mittagsstunde und Feierabend an; den Kindern zeigte die "Nachtglocke" an, spätestens bei ihrem Erklingen den Heimweg anzutreten. Die Gläubigen sahen sich tagsüber veranlasst, zu beten (Angelusleuten). Heute rufen die Glocken zum Gottesdienst oder läuten bei Trauerfällen. Auch wenn kirchenfeindliche Zeitgenossen gegen das Läuten und den Uhrenschlag zu Felde ziehen ist die Liebe zu den Glocken ungebrochen.

Nur noch ältere Weilerbacher werden sich an eine "Glockenweihe" im Ort erinnern. Es war am Pfingstsonntag, dem 28. Mai 1950 als die neuen Glocken der protestantischen Kirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf von Pferden gezogenen Wagen zur Kirche geleitet wurden. Sie ersetzten die im Krieg eingeschmolzenen Glocken. Viele Bürger, auch besonders in die USA ausgewanderte Weilerbacher, hatten viel Geld für ein neues Geläute gespendet.
Über eine Glockenweihe an der katholischen Pfarrkirche in Weilerbach konnten weder schriftliche Berichte noch Fotos gefunden werden. Bekannt ist, dass bis zur Beschlagnahme im ersten Weltkrieg 1917 ein dreistimmiges Geläute aus dem Jahre 1881 vorhanden war. Die mittlere Glocke beließ man der Kirchengemeinde als Läuteglocke; die größere und die kleinere Glocke wurden zu Kriegszwecken eingeschmolzen.
Zur Jahreswende 1921/1922 wurden drei neue Glocken angeschafft. Der Verbleib der aus dem früheren Geläute noch vorhandenen Glocke kann nicht mehr geklärt werden. Die neuen Glocken wurden von der Glockengießerei Ulrich & Weule aus Apolda/Bockenem gegossen. Apolda, die Stadt in Thüringen nahe Jena nennt sich noch heute "Glockenstadt", da dort bis 1988 mehrere Glockengießereien tätig waren.
Die Glocken unserer Pfarrkirche Heilig Kreuz und Sankt Georg haben ein Gewicht von 750 kg, 500 kg und 380 kg. Sie tragen weder sakrale noch künstlerische Zierden. Zwei Glocken tragen die Inschrift ULRICH & WEULE APOLDA/BOCKENEM 1921. Die dritte Glocke stammt aus einem anderen Guß und trägt die gleiche Inschrift mit der Jahreszahl 1922. Weil sie aus Eisenhartguß gegossen wurden konnten sie im zweiten Weltkrieg vor dem Einschmelzen bewahrt werden. Auf Grund des Materials haben die Glocken der Weilerbacher Kirche einen selten zu hörenden Klang, der sich wesentlich von dem der Bronzeglocken unterscheidet.

Die katholische Kirchengemeinde Weilerbach könnte im kommenden Jahr 2022 das einhundertjährige Jubiläum ihrer Glocken feierlich begehen.

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