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Hirte und Herde

Erstellt von Pfarrer Dr. Christoph Hartmüller | |   Impulse

Der 4. Sonntag der Osterzeit ist der Sonntag des guten Hirten.

In jedem Jahr hören wir aus dem 10. Kapitel des Johannesevangeliums eines der Worte, die Jesus über sich selbst als den guten Hirten spricht (in diesem Jahr: Joh 10,27-30).
In unserer Zeit ist es in Kirche und Welt sehr schwierig geworden, verlässliche, kompetente und vertrauenswürdige Hirten zu finden, denen man gerne folgt. Aber auch für uns als Priester, auf die dieses Bild in der Tradition der Kirche immer gerne übertragen wurde, kann das einen Anspruch zum Ausdruck bringen, der sehr schwer zu erfüllen ist – die Erwartungen an die Hirten unserer Zeit steigen ins Unermessliche und führen unweigerlich zu Überforderung.
Da tut es gut, sich an diesem Sonntag bewusst zu machen, dass Jesus Christus allein der gute Hirte ist. Er ist es, der uns kennt. Er ist es, dem wir uns vorbehaltlos anvertrauen sollen und dürfen. Nur von ihm her und nach seinem Vorbild können wir Menschen füreinander Verantwortung übernehmen als Hirten – in Kirche und Welt, in Familie und Arbeit, in Bildung und Kultur und überhaupt in allen Situationen, in denen andere auf uns Vertrauen.
Weil Christus der gute Hirte ist, ist es auch so wichtig, gerade an diesem Sonntag um Berufungen zu beten. Denn wir können sie nicht machen, wir können auch nicht einfach irgendwelche Stellschrauben verändern, um mehr Berufungen in der Kirche zu „erzeugen“. Wir müssen, ja wir dürfen sie uns schenken lassen. Das Gebet ist Ausdruck dafür, dass wir die absolute Autorität und Souveränität des einen guten Hirten Jesus Christus über alles Menschengemachte anerkennen. Und zugleich entlastet es uns von einem „Erfolgsdruck“.
Vertrauen wir uns daher an diesem Sonntag von Neuem dem einen guten Hirten an, der uns kennt, der uns liebt und der uns auf die Weiden des ewigen Lebens führt.
Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag.
Ihr Pfarrer
Christoph Hartmüller

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Jesus als guter Hirte, Fresko des 3. Jahrhunderts in der Calixtus-Katakombe, Rom