Unter dieses biblische Leitwort aus dem Römerbrief hatte Papst Franziskus das Heilige Jahr 2025 gestellt, das das Motto „Pilger der Hoffnung“ trug. Ein Heiliges Jahr! So etwas kommt sprichwörtlich nur „alle Jubeljahre“ vor, normalerweise alle 25 Jahre. Es war ein Jahr voller Chancen, voller Möglichkeiten, eben voller Hoffnungen.
Immer wieder wurde zu verschiedensten Gelegenheiten in unserer Diözese und in unserer Pfarrei das Motto des Jubeljahres aufgegriffen.
Zentral gehört zu einem solchen Heiligen Jahr die Wallfahrt nach Rom. Ich bin dankbar, dass wir uns mit einer motivierten und glaubensfrohen Gruppe von knapp 30 Menschen aus unserer Pfarrei der Diözesanwallfahrt im Oktober anschließen konnten. Gerade diese Tage, zu denen unter anderem das Durchschreiten der vier Heiligen Pforten gehörte, waren für alle Beteiligten, die den unterschiedlichsten Generationen angehören, sehr bewegend. Besonders die Generalaudienz mit Papst Leo XIV. mit einer unvorstellbar großen Menschenmenge auf dem Petersplatz zählte zu den Höhepunkten der Tage in der Ewigen Stadt.
Überhaupt ging in diesem Jahr der „mediale“ Blick häufig nach Rom, nicht nur des Heiligen Jahres wegen. Papst Franziskus, seit März 2013 im Amt, hatte schon länger mit zunehmenden gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die immer wieder auch kurze Krankenhausaufenthalte mit sich brachten. Am 14. Februar wurde er erneut in die Klinik gebracht mit einer Bronchitis, zu der eine Lungenentzündung hinzukam. Letztlich dauerte der Krankenhausaufenthalt mehr als einen Monat, bevor der Heilige Vater am 23. März aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte und in den Vatikan zurückkehrte. Auch wenn er noch zu geschwächt war, um den Osterfeierlichkeiten selbst vorzustehen, ließ er sich in den folgenden Wochen immer wieder blicken, manchmal auch ganz spontan und überraschend. Fast täglich tauchte er irgendwo auf. Sein letzter öffentlicher Auftritt war der Segen Urbi et orbi am Ostersonntag, dem 20. April, auf dem Petersplatz. Am folgenden Morgen des Ostermontags (21. April) verbreitete sich die Nachricht seines Todes, die zumindest zu diesem Zeitpunkt für viele überraschend kam, da er in den letzten Tagen zumindest etwas erholt und gestärkt gewirkt hatte. Tatsächlich aber hatte er wohl für diese letzten Begegnungen alle Kräfte mobilisiert, die nun endgültig aufgebraucht waren. Für mein Empfinden hat Papst Franziskus diese letzten Tage ganz bewusst so gestaltet. Er wollte sich nicht schonen, sondern buchstäblich bis zum letzten Tag seines Lebens mitten unter den Menschen sein. Er war präsent, er hat sich entgegen aller Ratschläge nicht zurückgezogen – und er hat damit eine klare Botschaft vermittelt, obwohl er selbst kaum noch sprechen konnte. Die Würde des Menschen kennt auch in Alter, Krankheit und Schwäche kein Ende – nicht einmal im Tod. Viele Menschen kamen zur Begräbnisliturgie am 26. April; auf seinen eigenen Wunsch hin fand Papst Franziskus seine letzte Ruhestätte in der Basilika Santa Maria Maggiore. Der Herr, dem er sein Leben lang bis zum letzten Atemzug treu gedient hat, lohne ihm all seine Mühen.
Natürlich sorgten die nun folgende Sedisvakanz und das Konklave für großes Interesse und viel Aufmerksamkeit. Am 8. Mai stieg nach einem sehr kurzen Konklave weißer Rauch auf. Ein für viele überraschender Kandidat trat als gewählter Papst vor das Gottesvolk: Robert Francis Prevost, ein Augustiner, aus den USA stammend, zuvor unter anderem lange Jahre in Peru tätig und seit rund zwei Jahren Kardinal an der Römischen Kurie. Er wählte sich den Namen Leo XIV. Durch seine zurückhaltende, aber klare Art schaffte Papst Leo schon in den ersten Monaten seiner Amtszeit eine gewisse Beruhigung mancher innerkirchlicher Grabenkämpfe. Seine erste Auslandsreise außerhalb Italiens führte ihn – in Umsetzung von Plänen, die Papst Franziskus nicht mehr durchführen konnte – Ende November und Anfang Dezember in die Türkei, wo er in Nizäa bei einer ökumenischen Feier an den 1700. Jahrestag des dortigen Konzils erinnerte, sowie in den Libanon. Ad multos annos, Heiliger Vater!
Auch diese Papstwahl mitten im Heiligen Jahr sehe ich als Zeichen der Hoffnung. Leo steht für Frieden, Verständigung, Kontinuität und Verlässlichkeit. Das kann die Kirche und die ganze Welt gut brauchen.
Auch in unserer Pfarrei gab es viele kleinere und größere Ereignisse der Hoffnung, die nicht alle aufgezählt werden können. Für mich persönlich war es beispielsweise wieder die Begegnung mit unseren Firmlingen beim „Startwochenende“ in Falkenstein, bei denen sehr persönliche und starke Glaubenszeugnisse unserer Jugendlichen zur Sprache kamen. Auch diesbezüglich bin ich sehr davon überzeugt, dass „wir Alten“ viel von unseren „Jungen“ lernen können. Diejenigen, die sich für den Weg zur Firmung entschieden haben, sind ihn in großer Klarheit gegangen. Die Firmung selbst mit unserem Weihbischof Otto Georgens (der sich nun Anfang Dezember in den Ruhestand verabschiedet hat) im September in Otterbach war für alle Anwesenden ein wirklich beeindruckendes und tiefgehendes geistliches Erlebnis, nicht nur wegen der unerwartet vielen Menschen, die daran teilgenommen haben.
Ein weiteres Hoffnungszeichen war die Einweihung der nun als Pfarrheim hergestellten „Pfarrscheune“ in Weilerbach. Ein langer und mühsamer Weg mit vielen Rückschlägen hat nun eine gute Vollendung gefunden. Ich hoffe auf viele Begegnungen in unserer neuen Pfarrscheune.
Noch vieles gäbe es zu sagen. Zu erwähnen wäre aus dem Jahr 2025 zum Beispiel das 100jährige Bestehen der Kolpingsfamilie Otterbach, der 60. Weihetag der Rodenbacher Kirche sowie der 75. Weihetag der nach der Kriegszerstörung wieder aufgebauten Kirche in Erfenbach. Wie auch die folgenden Zahlen aus der Statistik (Stand: 09.12.2025) stehen diese Jahreszahlen für unzählige Menschen, die sich auf ihre Weise in ihrer Zeit eingebracht haben und das bis heute tun:
- 7.073 Katholiken
- 38 Taufen
- 54 Erstkommunionen
- 32 Firmungen
- 3 Eheschließungen
- 58 Beerdigungen
- 112 Austritte
Bei allem Erwähnten – von der Firmung über die Pfarrscheune zu den Jubiläen – aber auch bei den ganz alltäglichen Geschehnissen des pastoralen Lebens, die sich oft ohne großes Aufsehen ereignen, ist denen, die sich einbringen und beteiligen, ein Wort des Dankes zu sagen.
Schließlich gab es auch Veränderungen im Pastoralteam: Bereits seit Dezember 2024 ist Ann-Marie Weber als Pastoralassistentin für die Zeit ihrer Berufseinführung (bis 2027) unserer Pfarrei und unserem Pastoralteam zugewiesen. Nach einem Jahr kann ich sagen, dass sie für uns in vielfacher Hinsicht eine echte Bereicherung darstellt. Dafür mussten wir aber auch Abschied nehmen: Zu Ostern ist unser bisheriger Kooperator Tomy Kakkariyil in die Pfarrei Mandelbachtal gewechselt. Wir haben ihm viel zu verdanken und wünschen ihm für sein priesterliches Wirken und vor allem für seine angegriffene Gesundheit viel Kraft und reichen Segen.
Veränderungen stehen auch im Bistum an. Vor allem die in den nächsten Jahren anstehenden Pensionierungen unter den Priestern und im gesamten pastoralen Personal machen eine erneute Strukturreform im Bistum Speyer nötig, die im Jahr 2025 intensiv diskutiert wurde. Im Juni 2026 soll dann entschieden werden, in welche Richtung konkret es weitergeht. In unserer Pfarrei werden wir uns sehr ernsthaft und intensiv mit unseren zahlreichen Immobilien befassen müssen, für die die knapper werdenden finanziellen Mittel dauerhaft nicht mehr ausreichen. Ich selbst sehe den Veränderungen recht gelassen entgegen, weil mir meine Erfahrung zeigt, dass sich im Neuen oft auch Hoffnungsvolles findet, auch wenn man dafür natürlich viele liebgewonnenen Dinge und Gewohnheiten zurücklassen muss. Ich kann nur jedem empfehlen, die Veränderungen konstruktiv und mit vielen eigenen Ideen anzugehen und mitzutragen. Dann kann es gut werden.
Nach Weihnachten endet das Jubeljahr in den Diözesen. Papst Leo wird es am 6. Januar mit der Schließung der Heiligen Pforte in St. Peter dann endgültig beschließen. Aller Voraussicht nach wird es 2033 ein weiteres Heiliges Jahr geben zum Gedenken an Tod und Auferstehung Jesu, die traditionell im Jahr 33 verortet werden.
Auch wenn die Türen, durch die viele von uns schreiten konnten, erst einmal wieder verschlossen sein werden, begleitet uns die Hoffnung doch weiter.
Denn:„Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen.“
So wünsche ich uns allen für 2026 offene Augen, Ohren und Türen des Herzens für alle Erlebnisse, Begegnungen und Momente der Hoffnung.
Ihr Pfarrer Christoph Hartmüller